Wissenswertes über die Geburt

So wie eigentlich jedes Säugetier sollte und kann der Mensch problemfrei Nachkommen gebären. Dennoch ist die Geburt eines Menschenkindes, bedingt durch den aufrechten Gang der Mutter und den großen Kopf des Kindes, ein besonders schwieriger Fall. Aber trotzdem hat die Natur dafür gesorgt, dass die Geburt eines Menschenkindes im Normalfall komplikationslos und gesund vonstatten geht. Doch im Laufe der Geschichte der Menschheit wurde immer öfter drastisch in den natürlichen Geburtsvorgang eingegriffen.

Im Zuge der Industrialisierung entwickelte es sich, dass von vornherein einfach alle Frauen im Kranken-Haus gebären und routinemäßig „unterstützt“ werden. Bei den meisten Frauen wäre das überhaupt nicht nötig gewesen und sie hätten weniger Schmerzen gehabt, wenn sie nach ihren natürlichen Bedürfnissen gebären hätten dürfen.

Da wir heutzutage an einer Überflutung von Informationen leiden und wir oft gar nicht mehr wissen, was denn wirklich relevant ist, versuche ich im folgenden darzulegen was die (Ur)-Bedürfnisse einer natürlich Gebärenden Frau sind und was sie in dieser Phase wirklich braucht und unterstützt. 

Unser Intellekt – der Neokortex

Aufgrund seiner Intelligenz hat sich beim Menschen ein Hirnareal entwickelt, welches ihm in der Situation einer Geburt in die Quere kommen kann: der Neokortex. Er ist der Teil des Gehirns der beim Menschen sehr weit entwickelt ist, da er zuständig für den Intellekt ist. Bei einer Geburt ist es für einen reibungslosen Ablauf wichtig, dass sich der Neokortex in den Hintergrund zurück zieht und so nicht die Aktivität primitiver Hirnstrukturen hemmen kann.

Obwohl man diese Erkenntnisse im Laufe der Jahre gewonnen hat, sind die Bedingungen um den Neokortex z.B. im Krankenhaus in den Hintergrund treten zu lassen, immer noch suboptimal, denn dafür müssen ein paar Gegebenheiten erfüllt sein.

Um das einfach zu verstehen, kannst Du das Einsetzten der Wehen mit dem Einschlafen vergleichen, da dies ebenso eine Veränderung des Bewusstseinszustandes darstellt. Bei beiden Vorgängen wird die Aktivität des Neokortex zurück geschraubt.

Wenn Du dir überlegst welche Gegebenheiten wir zum Einschlafen brauchen, kannst Du bestimmt sofort antworten:

  1. Es sollte dämmrig bis dunkel sein
  2. Der Ort sollte ruhig sein und wir sollten uns sicher fühlen
  3. Es ist hinderlich wenn mit uns jemand redet oder uns fragen stellt
  4. Wir wollen uns nicht beobachtet fühlen

→ Wir wollen uns also ganz entspannen können

Da die Frau, sobald die Wehen eintreten, ihren Bewusstseinszustand verändert oder einen „anderen Planeten“ betritt, braucht sie genau die Gegebenheiten die auch beim Einschlafen für uns so selbstverständlich sind. Bei der Entbindung ist das heute leider etwas in Vergessenheit geraten.

Insbesondere vernunftbetonte Sprache regt den Neokortex an und oft werden Gebärende mit Fragen überhäuft, z.B. seitens des Arztes oder des Partners. Ebenso finden viele Entbindungen heute in hell erleuchteten Räumen statt und die Gebärende hat das Gefühl immer beobachtet zu werden. Sei es von den umgebenden Menschen, einem elektrischen Herzton- Messgerät, oder einer Kamera. Der Rückzug in die Intimsphäre ist ein Grundbedürfnis!

Auch im Tierreich der Säugetiere ziehen sich normalerweise die Weibchen zum Gebären zurück (einschließlich der Menschenaffe). So ist es natürlicherweise auch ein Grundbedürfnis einer Frau bei der Geburt ihres Kindes ganz für sich zu sein. Es gab auch Phasen in der Menschheitsgeschichte (voragrarische Gesellschaft), in welchen es völlig normal war, dass sich Frauen zum Gebären zurückzogen. Es ist ein bedeutender Unterschied, ob sich z.B. die Hebamme immer im Gesichtsfeld der Schwangeren bewegt, oder ob sie sich einfach in eine Ecke des Zimmers zurückzieht und nur kommt, wenn wirklich Hilfe benötigt wird.

Wird der Neokortex durch diese ungünstigen Einflüsse aktiviert, führt das dazu, dass sich die Wehen länger hinziehen und die Geburt somit langwieriger und schwieriger wird. So werden letztlich mehr Babys mit Kaiserschnitt geboren.

Hebamme – eine Mutterfigur

Die ersten Hebammen waren wahrscheinlich Mütter gebärender Frauen, welche ihre Tochter bei der Geburt unterstützen. Eine Hebamme ist also ursprünglich eine Mutterfigur. Früher war es wahrscheinlich so, dass junge Frauen nach ihren Müttern riefen, wenn sie doch Hilfe brauchten.

Allerdings steht die Anwesenheit einer Geburtsbegleiterin dem Bedürfnis entgegen ganz für sich zu sein. Heute ist die Anwesenheit einer Hebamme zwar hilfreich um sich sicherer zu fühlen und weil eine Hebamme meist schon recht viel Erfahrung hat und die Situation einschätzen kann. Dennoch kann die Anwesenheit einer Geburtsbegleiterin oftmals dazu führen, dass mehr Komplikationen auftreten (wenn sie sich zu oft präsent zeigt) , was wiederum bedeutet, dass mehr Hilfe notwendig ist.

Ist die Anwesenheit des Vaters bei der Geburt seines Kindes hilfreich oder hinderlich?

Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten, denn es hängt von verschiedenen Faktoren ab, ob die Anwesenheit des Vaters hilfreich ist. Zu aller erst sollte die Frau in sich hineinhören und für sich entscheiden, ob die Anwesenheit ihres Partners sinnvoll und hilfreich ist. Hier einige Fragen die ihr dabei helfen können die Frage zu beantworten:

  1. Kann ich mich auch in Anwesenheit meines Partners vollkommen entspannen und loslassen?
  2. Fühle ich mich bei meinem Partner in Sicherheit und ist auf ihn Verlass?
  3. Ist mein Partner strapazierfähig genug um den Geburtsvorgang psychisch auszuhalten, ohne ständig gut gemeinte Ratschläge etc. sonstiges zu geben. Und kann er Blut sehen? Wie verhält sich mein Partner in aufregenden Situationen?
  4. Kann der Partner eine Hilfe sein bei der Kommunikation mit z.B. dem Krankenhauspersonal während des Geburtsverlaufes um besondere Wünsche zu klären und formelle Dinge zu klären?
  5. Reden sie mit ihrem Partner wie er sich vorstellt, dass die Geburt abläuft und Fragen sie ihn nach seiner Meinung

Da jede Geburt ein einmaliges Erlebnis ist und man persönliche Reaktionen des Partners nur im Vorhinein abwägen kann, könnte es gut sein, dass es anders kommt als man sich das ursprünglich vorgestellt hatte. Es kommt nicht selten vor, dass sich Frauen während der Schwangerschaft immer gewünscht haben, dass ihr Partner bei der Geburt dabei ist. Bei der Geburt selbst ändert sich das häufig und sobald der Partner das Zimmer verlässt, kann die Frau erst so richtig loslassen und die Geburt kann richtig in Gange kommen und das Kind schnell geboren werden.

Außerdem ist es sehr wichtig, dass der Partner nach der Geburt des Babys ein stiller „Beobachter“ des Geschehens bleibt um nicht den ersten Kontakt zwischen Mutter und Kind zu stören. Oftmals verspüren Männer direkt nach der Geburt des Kindes den Drang sofort aktiv zu werden. Unmittelbar nach der Geburt ist für das Kind eine sehr prägende Phase des Lebens. Das Kind sollte einfach auf die nackte Brust der Mutter gelegt werden, damit sie die Möglichkeit haben sich gegenseitig in die Augen zu schauen und sich so kennenzulernen. Ablenkungen aller Art hemmen die Ausschüttung von Oxytozin, welches ganz wichtig für die Entbindung der Plazenta ist.

Übrigens war es in vielen Kulturen üblich, den Mutterkuchen nach der Geburt zu verzehren. Bei Tieren lässt sich das heute noch feststellen, z.B. Kühe, die sonst absolute Vegetarier sind, fressen nach der Geburt ihre Plazenta. Wahrscheinlich enthält die Plazenta Stoffe, die den Uterus nach der Geburt wieder kontrahieren lassen, wodurch die Gefahr von Blutungen eingedämmt wird. Auch helfen diese Stoffe angeblich um einen guten Milcheinschuss in die Brust der Mutter zu erzielen.

Schwierigkeiten während der Geburt

Manchmal ziehen sich die Wehen sehr lange hin und sind äußerst schmerzhaft. In der Regel schüttet dann der Körper der Mutter zu wenig von denen am Geburtsvorgang beteiligten Hormonen aus, v.a. Oxytozin. Die Hormone aus der Adrenalin-Familie haben dann die Überhand und man sollte sich darauf konzentrieren sie zu senken. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten, die man abchecken sollte, bevor man weiteres unternimmt. Es muss klargestellt werden, dass der Raum nicht zu kalt ist und die Schwangere kein Hunger hat. Meist ist aber auch jemand anwesend der einen erhöhten Adrenalinspiegel hat (z.B. Vater/Partner oder Arzt) und dieser wirkt äußerst ansteckend. Eine gute Möglichkeit den Pegel der Adrenalin-Hormone zu senken, ist das eintauchen in körperwarmes Wasser, da es sehr entspannend wirkt.

Die Gebärwanne als unterstützende Maßnahme

Das Eintauchen in körperwarmes Wasser kann den Geburtsvorgang positiv fördern und das Kind kann, je nach Bedarf auch im Wasser geboren werden.
Um eine Gebärwanne optimal zu nutzen, ist ein wenig Hintergrundwissen nicht schlecht. Auch wenn es unter Umständen alles anders verläuft, kann das Wissen wie das Element Wasser am besten zu nutzen ist für den einen oder anderen sehr hilfreich sein!

Möchte eine Frau während der Wehen zur Entspannung ein Bad nehmen ist das oftmals sehr effektiv. Allerdings ist der Zeitpunkt des Bades entscheidend! Es ist wirklich ratsam das Bad idealerweise so lange hinauszuzögern bis sich der Gebärmutterhals ca. fünf cm geweitet hat. Das ist fast eine Garantie dafür, dass keine medizinischen Eingriffe während der Geburt notwendig sind. Denn das Eintauchen in körperwarmes Wasser kann die Kontraktionen für ca. 1,5 Stunden verstärken. Und innerhalb dieser Zeit kann sich der Gebärmutterhals, aller Voraussicht nach, vollständig weiten, auch wenn die Frau zum ersten mal ein Kind bekommt.

In der Wartezeit auf das Bad, kann die Schwangere eine Dusche nehmen, dies wirkt sich oft besonders positiv aus, denn die Frau ist in einem kleinen abgeschlossenen Raum für sich und somit gegen alle Einflüsse von anderen Menschen abgeschirmt. Es ist hierbei förderlich, wenn die Schwangere den Wasserstrahl auf ihre Brustwarzen lenkt, dann das fördert die Ausschüttung von Oxytozin. Das Geräusch von Wasser kann eine magische Kraft haben Hemmungen aufzulösen. Auch während das Wasser in die Gebärwanne läuft, ist es von Vorteil wenn die Frau hört wie das Wasser einläuft.

Grundsätzlich sollte man eine Geburt im Wasser nicht planen. Wenn die Mutter sich wohl fühlt,  unaufhaltsame Kontraktionen einsetzten und sie nicht den Drang verspürt aus der Gebärwanne zu steigen, dann kann sie jedoch im Wasser stattfinden.
Das Ziel einer Gebärwanne ist nicht, dass das Kind letztens darin geboren wird, sondern dient vielmehr dazu, dass sich die Gebärende entspannen kann und Medikament überflüssig gemacht werden.

Oft möchte die Frau in der letzten Phase wieder heraus, was von Vorteil sein kann, denn sie wird einen kurzen Adrenalinstoß bekommen, welcher an diesem Punkt wirklich hilfreich sein kann. Möchte die Mutter aber eine Wassergeburt, kann es sein, dass sie zu lange im Wasser bleibt und das Kind erst herauskommt, wenn die Kontraktionen wieder schwächer werden.  Aufgrund der schwächeren Kontraktionen gestaltet sich die Entbindung der Plazenta schwieriger.

Hausgeburt, Geburtshaus oder Krankenhaus?

Egal für was man sich letztlich entscheidend, wichtig dabei ist, dass die Schwangere sich sicher und wohl fühlt. Wenn man sich für eine Geburt im z.B. Krankenhaus entscheidet,hat es positive Wirkungen, wenn man so lange wie möglich zu Hause bleibt. Denn geht die Schwangere zu schnell ins Krankenhaus (bevor die Eröffnungswehe richtig eingesetzt hat), kann es sein, dass sie sehr sensibel auf dortige Umgebungseinflüsse reagiert, was oft eine lange und schwierige Geburt zur Folge hat.  Wenn die Wehen ohne Komplikationen voran gehen, kann es sehr ratsam sein zu Hause zu bleiben. Ein Wechsel ins Krankenhaus ist heute (falls nötig) meist relativ schnell möglich.

Die Art und Weise wie wir geboren werden

Forscher haben herausgefunden, dass bei Menschen mit eingeschränkter Liebesfähigkeit (zu sich selbst und anderen), die Phase der Geburt mit Risikofaktoren abgelaufen ist. Diese Risikofaktoren weisen immer auf ein aktuelles und wichtiges gesellschaftliches Problem.

Bekommt eine Mutter z.B. während der Wehen bestimmte Schmerzmittel verabreicht, ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass ihr Kind später Drogenabhängig wird. Offensichtlich hat unsere spätere Kontaktfähigkeit und Aggressivität, also Liebesfähigkeit, viel damit zu tun auf welche Art und wie wir geboren werden. Das bezieht sich auch auf die Phase nach der Geburt.

Phase nach der Geburt
Mehrere Studien legen dar, dass die emotionale Verfassung einer Schwangeren sehr wichtig ist und auch langfristige Auswirkungen auf die spätere Kontaktfähigkeit, die Aggressivität oder Liebesfähigkeit des Kindes haben kann.

Unmittelbar nach der Geburt gibt es eine kurze entscheidende Phase, die sich danach nie wieder wiederholt. Die erste Stunde nach der Geburt ist für die Entwicklung der Liebesfähigkeit wahrscheinlich entscheidend.
Verschiedene Hormone, die während der Wehen ausgeschüttet werden, sind noch nicht abgebaut und erfüllen in der Interaktion mit Mutter und Kind jeweils eine ganz besondere Funktion. Mutter und Kind befinden sich unmittelbar nach der Geburt in einem ganz spezifischen und hochkomplexen Gleichgewicht. Das Hormon der Liebe “Oxytozin” wird im Körper der Mutter auf einen Spitzenwert ansteigen. Dieser Höchstwert ist gekoppelt mit einer hohen Konzentration an Prolaktin, dem Mutterschaftshormon. Die Kopplung von Oxytozin und Prolaktin bewirkt die Liebe zum Baby. Mutter und Kind stehen unter dem Einfluss morphinähnlicher Substanzen. Sie befinden sich im engen Hautkontakt zueinander und schauen sich einander an, dies ist der Beginn einer Art gegenseitiger Abhängigkeit. – das heißt einer Bindung. Es sind sogar Hormone aus der Adrenalin Familie (die sonst eher mit Aggression verknüpft sind) beteiligt. So ist die Mutter zum Zeitpunkt der Entbindung typischerweise voller Energie und verspürt den Drang eine aufrechte Körperhaltung einzunehmen. Für Säugetiere bedeutet das, dass die Mutter direkt nach der Geburt hellwach, ja aggressiv ist (ein Teil von Mutterliebe).

Doch warum stören sämtliche Gesellschaften auf ritualisierte Weise den ersten Kontakt zwischen Mutter und Kind?
Evolutionsgeschichtlich war es von Vorteil, Macht und Kontrolle über die Natur und andere Gruppen auszuüben. Daher war es von Vorteil, nicht die Liebesfähigkeit von Menschen zu entfalten, sondern sein Aggressionspotential. Den ersten Kontakt zwischen Mutter und Baby zu stören, diente also dem Überleben.

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