Wie ich Bienen halten möchte – persönliche Ideale und Ansichten

Die Entscheidung ist gefallen: Ich möchte Bienen halten!
Gut. Und wie gehe ich nun weiter vor?
Nachdem ich mich schon seit ca. 2 Jahren mit dem Thema Bienen beschäftige und bei einigen Imkern “mitreingeschaut” habe, ist es nun Zeit selbst zu starten.
Theoretisches Wissen habe ich für Anfang genug, aber das festigt sich natürlich nur dann, wenn ich es wirklich in der Praxis anwende. Ich weiß zum Beispiel gut, wie ich theoretisch Völker füttere und eine Oxalsäure- oder Ameisensäurebehandlung durchführe. Doch für alles gibt es verschiedenste Wege und Methoden: ein Imker macht es so, der andere so. Da gibt es Imker, die Bienen halten ohne irgendwelche Eingriffe vorzunehmen und andere, die ein Bienenvolk als Baukasten sehen und Bienenvölker neu zusammenwürfeln, Waben austauschen und Königinnenzucht betreiben. Hier möchte ich nicht bewerten , welcher Weg nun der “bessere” ist, sondern einfach darauf aufmerksam machen, dass es unzählige Haltungs- und Behandlungsarten für Bienen gibt.

Mein Wunsch ist es Bienen so naturnah und einfach wie möglich zu halten und trotzdem ein Mal im Jahr Honig ernten zu können.
Durch diesen Wunsch bin ich gleich am Anfang auf die Bezeichnung “wesensgemäße Bienenhaltung” gestoßen. “Genau das Richtige für mich”, dachte ich. Nachdem ich mehr über wesensgemäße Bienenhaltung gelesen hatte, wurde mir klar, dass dieses Konzept nicht klar definiert ist.
Im Internet und unter Imkern findet man zahlreiche Meinungen darüber wie Bienen wesensgemäß zu halten sind.
Es handelt sich eher um eine Intention und persönliche Einstellung des Imkers gegenüber den Bienen und es gibt keine offiziellen Regeln. Wesensgemäße Bienenhaltung ist also ein Ziel des Imkers.
Der Verein “Mellifera – Vereinigung für wesensgemäße Bienenhaltung” erklärt in einem seiner Blogartikel,”wesensgemäße Bienenhaltung?” dass “der Begriff “wesensgemäß “in einem Freundeskreis um die Lehr- und Versuchsimkerei Fischermühle geprägt wurde”. Weiter heißt es in dem Artikel: “Die Art der Haltung orientiert sich an den natürlichen Bedürfnissen und Instinkten des Bienenvolks. Die Bienen bauen ihre Waben selbst und vermehren sich über den Schwarmtrieb. Auf die gängige Praxis der künstlichen Königinnenzucht wird verzichtet. Die Integrität des sensiblen Brutnestes wird gewährt.” (https://www.mellifera.de/blog/biene-mensch-natur-blog/bienen-verstehen-wesensgemaess-imkern.html).

Ross Conrad, der Autor von “Natural Beekeeping” (2013, Chelsea Green Publishing), meint, dass der Begriff “wesensgemäße Bienenhaltung” ein Widerspruch in sich ist. Denn sobald ein Bienenvolk vom Menschen beeinflusst wird, ist es nicht mehr in seinem natürlichen Wesenszustand. Wenn also ein Imker seine Bienen sich selbst überlässt oder seine Beobachtungen am Bienenstock drastisch minimiert, so hat das laut Ross Conrad nichts mit “wesensgemäßer Bienenhaltung” zu tun, sondern grenzt eher an Tierquälerei, da das Volk z.B. aus Versehen verhungern könnte. Da die Biene in gewisser Weise vom Menschen abhängig ist (semi-domestiziert), definiert Ross Conrad wesensgemäße Bienenhaltung als den “Versuch sie vor Verhungern, Krankheiten oder Epidemien bestmöglich zu schützen, ohne dabei künstliche Nahrung, synthetische Pestizide oder Antibiotika einzusetzen”.

Vor allem ein aus Asien stammender Parasit, die Varroa-Milbe, stellt europäische und nordamerikanische Imker vor eine riesige Herausforderung. Die Varroa-Population wächst jedes Jahr aufs Neue exponentiell mit der Bienenpopulation an. Die Bienenpopulation geht im Sommer wieder zurück, die der Milben jedoch nicht. Außerdem überträgt die Varroa-Milbe eine Krankheit, an welcher die Bienen zugrunde gehen, wenn sie nicht vom Imker behandelt werden. Ameisen- oder Oxaläure sind hier gängige Behandlungsmittel. Es gibt aber auch eine langfristige, sehr vielversprechende Möglichkeit mit der Varroa-Milbe umzugehen. Mehr dazu im Artikel Ein neuer Umgang mit der Varroa-Milbe“.

Die Bio-Imkerei basiert auf der Idee der wesensgemäßen Bienenhaltung. Allerdings gibt es bei Bio-Imkern strenge Richtlinien, die je nach Bio-Verband etwas unterschiedlich sind. Im Blogartikel von Mellifera gibt es eine kurze Vergleichs-Tabelle mit Richtlinien der bekanntesten Bio-Anbauverbände. Bio-Imker müssen sich speziell (und teuer) zertifizieren lassen und sich an alle Richtlinien halten.
Dennoch habe ich das Gefühl, dass die Bio-Imkerei noch weit davon entfernt ist, naturnah zu imkern. Denn auch hier werden die Bienen mit Zucker gefüttert, mit organischen Säuren behandelt und Drohnen-Brut ausgeschnitten und eingeschmolzen usw.
Aber klar, auch ich werde Kompromisse eingehen müssen!

Meine Relität ist, dass ich noch keine Erfahrung mit eigenen Bienen habe und als Jungimkerin ganz neu anfange. Da ich mich schon mit verschiedenen alternativen Bienenhaltungssystemen (Resistant Bees, Gaia Bees, PermApiculture, Darwinian Beekeeping, FreeTheBees) beschäftigt habe, aber auch die konventionellen Vorgehensweisen kenne, werde ich mich zu Beginn für eine Mischung entscheiden. In meiner Umgebung gibt es viele Imker die konventionell imkern und auch einen Bio-Imker. Ihm werde ich mich anschließen.
Ich möchte eine Bienenbehausung (“Beute”), die relativ naturnah ist. Das heißt, dass ein großes Brutnest im Hochformat Platz haben sollte, so dass die Bienen um das Brutnest herum auch noch Honig einlagern können (“Honigkranz”). Gleichzeitig möchte und kann ich nicht schwer heben.
Es gab mehrere Beuten-Modelle zur Auswahl. Dazu könnt ihr meinen persönlichen Vergleich naturnaher Beuten lesen.
Ich habe mich letztlich für die Einraumbeute nach der Bauweise von Mellifera entschieden und diese zusammen mit dem Bio-Imker, der glücklicherweise Schreiner ist, und Fabi gebaut. Die detaillierte Bauanleitung könnt ihr im Artikel Einraumbeute Bauanleitung” finden.
In dieser Saison werde ich den Bio-Imker bei Bedarf um Rat fragen und bei den Kontrollen seiner eigenen Völker dabei sein. Zusätzlich knüpfe ich Kontakt zum örtlichen Imkerverein und zu anderen Imkern in der Gegend und versuche von ihnen zu lernen.
Mit der Zeit werde ich dann meinen persönlichen Umgang mit den Bienen finden und “neue Wege” ausprobieren.

Hier nochmal kurz Zusammenfassend meine Wünsche und wie die Realität aussieht:

Meine Wünsche:

  • natürlich bzw. naturnah (bienengerecht, artgerecht) wesensgemäß
  • einfach, unkompliziert
  • gesund für Biene und Mensch
  • ohne schweres Heben
  • etwas Honig ernten
  • Varroa-tolerant ?

Die Realität:

  • keine Erfahrung mit eigenen Bienen
  • natürlich bzw. naturnah: Was bedeutet das überhaupt? Ab wann ist Bienenhaltung natürlich?
  • Varroa-Tolerante Bienen gibt es in Europa nur sehr wenige → kann ich nicht sofort erreichen!
  • Honigernte: Ist es ethisch vertretbar, den Bienen ihren Honig wegzunehmen und ihnen stattdessen Zuckerwasser zu geben? Wie kann man bei solchem “Futter” überhaupt gesunde Bienen erwarten? Wie in regenreichen Gebieten ernten, wenn die Bienen im Sommer immer wieder den gesammelten Honig essen, weil sie in einer Regenperiode länger nicht sammeln können?
  • Es gibt eine Beute, bei der ich nicht schwer heben muss 🙂

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