Vorgeburtliche Prägung

Gerade jetzt, während ich schwanger bin und bald ein Kind erwarte, finde ich es unheimlich spannend durch was mein Kind wie geprägt wird und was es schon im Mutterleib lernt und welche Erfahrungen es macht. Dies ist der Grund warum ich mich ein wenig tiefer mit dem Thema der vorgeburtlichen Erfahrungen auseinandersetzte. Ich denke, dass vor allen Dingen heutzutage dieses Wissen leider etwas zu kurz kommt und möchte deswegen meine Rechercheergebnisse im Folgenden mit Dir teilen. Dieser Artikel ist eine allgemeine Einführung in das Thema „Vorgeburtliche Prägung“.

Wie relevant ist die vorgeburtliche (pränatale) Prägung des Babys für das spätere Leben? Was können wir als Eltern tun um unser Kind schon vorgeburtlich positiv zu prägen?
Unsere ersten Prägungen in der Schwangerschaft sind enorm wichtig! 98% unserer Entwicklung und unseres Charakters wird in den ersten drei Monaten unserer Schwangerschaft bestimmt. Zu einem Zeitpunkt, wenn die Frau oft noch gar nicht lange weiß, dass sie überhaupt ein Kind erwartet.  Nur zwei Prozent werden von der weiteren Entwicklung und Erziehung beeinflusst.

Wir erben nicht nur unsere genetischen Veranlagungen und unsere Chromosomen, sondern auch die gesellschaftlichen, kulturellen und epigenetischen Rahmenbedingungen. So ist es zum Beispiel möglich, dass über sieben Generationen Traumata weitergegeben werden können.

Und trotzdem sind wir nicht durch genetische Programme gesteuert, sondern wir lernen und übernehmen unsere „Kultur“ bereits von den Eltern. Die Gene sind vielmehr ein Baukasten und stellen verschiedene Möglichkeiten bereit. Welches Gen, dann aber letztlich „aktiviert“ wird, hängt von den Umwelteinflüssen ab.

Konkret lässt sich sagen, dass sich das Genom vom Menschen seit ca. 100.000 Jahren nicht mehr verändert hat. Würde es zum Beispiel gelingen eine damals befruchtete Eizelle aufzufinden und sie in eine heutige Frau, als Leihmutter, einzupflanzen, dann wäre dieses von ihr aufgezogene Kind nicht von den heute lebenden Menschen zu unterscheiden. Dies zeigt ganz deutlich, dass sich ein Neugeborenes viele Fähigkeiten schon im Mutterleib angeeignet und kennengelernt hat. Wenn alles das was wir heute können und sind ausschließlich von unseren Genen gesteuert werden würde, hätten wir nie so einen Fortschritt erlangt und würden heute noch wilde Früchte und Wurzeln suchen und könnten uns kaum verständigen.

Das Gehirn eines Menschen ist eigentlich gar nicht im Stande etwas Neues zu lernen, denn es kann immer nur zu den bereits schon vorhandenem Wissen und Fähigkeiten etwas dazu lernen. Es braucht also Anknüpfungspunkte. Das gilt für das ganze Leben eines Menschen und dementsprechend auch für Lernprozesse die vor der Geburt stattfinden. Denn das Kind ist von Anfang an auf „Beziehung“, „Kontakt“ und „Lernen“ ausgerichtet und empfängt bereitwillig jegliche Informationen. Das ist auch der Grund warum z.B. die Umwelteinflüsse einer Schwangeren so bedeutend sind, denn alle äußeren Einflüsse aus der direkten Umgebung erreichen das Kind. Es wird von Anfang an mit einer Flut von Informationen überhäuft, die es durch verschiedene biochemische Signal empfängt. Diese Informationen werden zu Erinnerungen und damit zu Lernquellen, welche im späteren Leben aktiviert werden können.

Somit kann man sagen, dass alle Vorgänge des Lebens mit der Empfängnis beginnen, egal ob sie  biologischer, hormoneller, immunologischer oder psychischer Natur sind.

Auch die Bewegungsmuster eines Neugeborenen entstehen nicht mit der Geburt, sondern der Fötus übt diese während seiner Zeit in der Gebärmutter gut ein. Nur die Qualität der Bewegung nimmt nach der Geburt ab, da der Fötus ja nicht mehr in dem Fruchtwasser schwimmt, sondern der Schwerkraft ausgeliefert ist.

Alle menschlichen Sinnesorgane funktionieren ab dem zweiten Drittel der Schwangerschaft und der Fötus reagiert auf Druck-,Tast-, Bewegungs-, Temeperatur-, Gleichgewichts-, Tast- und Schmerzreize. Die erste Erfahrung mit Kontaktaufnahme macht das Baby über die Haut. Erst berührt es die Gebärmutter, Nabelschnur und seinen eigenen Körper und später kann es aktiven Kontakt zu seinen Eltern herstellen, die ihr Baby durch die Bauchwand durch spüren können.

Der körperliche und emotionale Zustand wird fortwährend von dem mütterlichen Organismus beeinflusst. Das Kind sammelt so Erfahrung z.B. über die verschiedensten Gefühlszustände der Mutter. Eine Mutter die sich praktisch erlaubt die ganze Palette der Gefühle während der Schwangerschaft zu durchleben, fördert auf gesunde Weise die emotionale Entwicklung des ungeborenen Kindes. Nachteilhaft wird es nur dann, wenn die Mutter ständig großem Stress oder Ängsten ausgesetzt ist, denn dies hat ganz klar negative Folgen für das Kind die sich nach der Geburt und im weiteren Verlauf des Lebens äußern werden. Dadurch kann z.B. die Stressempfindlichkeit eines Menschen im weiteren Leben erhöht sein oder es werden die Lernfähigkeit und das Neueierverhalten beeinträchtigt. Werden Stresshormone ausgeschüttet (Adrenalin, Kortisol) führt das zu einem Zusammenziehen der Gefäße und die Sauerstoffzufuhr wird beeinträchtigt, wodurch fötaler Stress weiter erhöht wird.

Besonders wichtig hervorzuheben ist unbewusste und bewusste Einstellung der Mutter zu ihrem ungeborenen Kind. Denn diese ist maßgeblich verantwortlich für seine Entwicklung, seine Persönlichkeit nach der Geburt, seine Beziehungen und soziales Verhalten. Der Entwicklungsstand des Kindes kann so bei der Geburt sehr unterschiedlich sein, denn die emotional-psychische Entwicklung wird durch alle Personen die der Mutter nahe stehen, bestimmt.

Desweiteren haben z.B. Wunschkinder im Gegensatz zu unerwünschten Kindern bzw. geplante im Vergleich zu ungeplanten unterschiedliche Voraussetzungen fürs Leben. Kinder die aus unerwünschten Schwangerschaften hervorgehen sind im gesteigerten Maße Vernachlässigung ausgesetzt. Die meisten gesellschaftlichen Probleme, deren Symptome sich in Gewalt, Bindungsmangel, Drogen, Alkohol und psychischen Erkrankungen zeigen, entstehen in der Gebärmutter. Es lässt sich feststellen, das bei Kindern die bewusst oder unterbewusst abgelehnt wurden, oftmals in den ersten 48 Stunden nach der Geburt das Kipp-Syndrom aufkommt. Dies äußert sich in apathischen Verhalten und wechselt mit hyperaktivem Weinen. Oft waren es schwierige Geburten und auch eine hohe Zahl an Frühgeburten.

Mutter und Kind sind während der Schwangerschaft immerzu auf bewusster und unbewusster Ebene im tiefen Kontakt. Die unbewusst ablaufenden Prozesse der Mutter sind von größerer Bedeutung als bisher angenommen, denn es werden Empfindungen, Gefühlszustände und evtl. sogar Bilder und Vorstellungen kommuniziert, die für das Bewusstsein der Frau nichtmal zugänglich sind und von ihr nicht kontrollierbar sind. Eine Mutter empfängt ebenso Bilder und Botschaften von ihrem Kind (häufig in Form von Träumen), allerdings ist diese „intuitive Kommunikation“ bis heute noch sehr wenig erforscht.

Ein interessanter Fakt ist, dass das Umfeld während der Zeit in der Gebärmutter zu zwei Dritteln und die Gene hingegen nur zu einem Drittel für die Entwicklung der Intelligenz verantwortlich ist.

Die positive Wirkung von Musik:
Schon wenige Tage nach der Empfängnis bildet sich ein Klümpchen pulsierender Zellen, welche das Herz bilden. Diese sind äußerst Klang empfindlich. Dies ist wahrscheinlich so, damit die Zellen den Herzschlag der Mutter aufgreifen können um das Herz eines Embryos zu entwickeln.

Während der Schwangerschaft ein bestimmtes Musikstück immer wieder zu hören, wirkt sich auf die Entwicklung des Kindes positiv aus. Denn das Kind wird sich nach der Geburt an dieses Stück erinnern und damit leichter zu beruhigen sein. Bereits vier bis fünf Monate vor der Geburt hören Föten bereits Töne. Zuerst sind es natürlich die inneren Töne der Mutter die ein Fötus vernimmt. (Blutkreislauf der Mutter, Herzschlagen, Atemgeräusche, Verdauung, etc.). Und zwei Monate vor der Geburt hat das innere Ohr des Kindes bereits die Größe eines Erwachsenen erreicht und ist schon voll funktionstüchtig. Drei bis vier Monate vor der Geburt antworten Babies mit z.B. einem strampeln auf Geräusche außerhalb des Mutterleibes.

Das ungeborene Kind reagiert auf zahlreiche Töne, leise scheint es eher zu genießen und bei lauten zieht es sich schreckhaft zusammen. Es ist auch in der Lage freundliche von aggressiven Stimmen zu unterscheiden. In jeder menschlichen Stimme schwingen Emotionen mit. Das Kind nimmt diese Emotionen wahr und  verarbeitet sie, so übt es auch den menschlichen Gefühlen einen Ausdruck zu verleihen.

Ein Fötus ist also einer Vielzahl von Geräuschen ausgesetzt. Dies ist auch der Grund, warum ein Neugeborenes gerne bei einestetigen Geräuschkulisse einschläft: Die Geräusche wirken beruhigend. Man hat auch festgestellt, dass Neugeborene unter Musikeinfluss schneller zunehmen und mehr Sauerstoff aufnehmen. Es muss allerdings nicht unbedingt Musik sein, das vorspielen einer Tonaufnahme des mütterlichen Herzschlags wirkt ebenso effektiv. Neugeborene hören besonders gerne die Stimme ihrer Mutter, denn die ist ihm am meisten vertraut von der vorgeburtlichen Zeit und gibt ihm Sicherheit.

Welche Rolle der Vater bei der pränatalen Prägung des Kindes spielt:
Kann sich der werdende Vater empathisch in die Rolle seiner schwangeren Frau hineinversetzten und auch gefühlsmäßig schon Kontakt mit dem ungeborenen Kind aufnehmen, wird die Qualität der Vater-Kind-Beziehung enorm gesteigert. Der Vater ist während der Zeit der Schwangerschaft, selber ein wenig schwanger, denn sein Organismus reagiert mit hormonellen Veränderungen, welche es ihm ermöglichen feinfühlig und liebevoll zu reagieren. Er kommuniziert mit seinem Kind auf unbewusster Ebene, genauso wie die Mutter.  Es macht sehr viel aus, was Väter im Zusammenhang mit ihrem Baby fühlen und denken und was sie ihm vermitteln.

Vor und nach der Geburt des Kindes lassen sich beim Vater erhöhte Werte der Hormone Prolaktin, Kortisol und Östrogen nachweisen, welche mütterliches fürsorgliches Bindungsverhalten stimulieren. In den ersten Wochen nach der Geburt sinkt der Testosteron-Spiegel des Mannes erheblich, dadurch kann der Mann sich besser in die Welt seines Kindes und seiner Frau einfühlen und entdeckt geradezu eine weiche Seite in sich.

Die Stimme des Vaters erkennt das Neugeborene nach der Geburt wieder, v.a. weil sie eine niedrige Frequenz hat (tiefe Stimme) wird sie vorgeburtlich besonders gut wahrgenommen.

 

Quellen:

Das Geheimnis der ertsen neun Monate – Hier eine kurze Zusammenfassung des Buches

Die Nabelschnur der Seele – Hier eine kurze Zusammenfassung des Buches

 

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