Vergleich naturnaher Bienenbehausungen

1. Bienenkiste – der Klassiker schlechthin
Entwickelt von:
Mellifera e.V. (Verein zur wesensgemäßen Bienenhaltung)
→ als „Verbesserung“ des alten Krainer Bauernstocks
Ziele der Behausung:
→ viele Menschen für einfaches Imkern begeistern
→ mit relativ wenig Aufwand eigene Bienen halten
→ Eigenbedarf an Honig decken
→ zeitsparend und natürlich Bienen halten
→ mobiler Stabilbau als Kompromiss zwischen Stabil- und Mobilbau

Für wen?
Die Bienenkiste eignet sich bestens zum extensiven Hobbyimkern. Allerdings kann es für den Anfänger schwierig sein, direkt mit der Bienenkiste anzufangen, da sie im Stabilbau konzipiert ist. Dadurch hat man relativ wenig Möglichkeiten sich Zugang zum Volk zu verschaffen und gerade für Anfänger ist das besonders wichtig.
Laut der ➥Bienenkisten-Homepage setzt die Bienenkiste jedoch wenig Fachkenntnisse voraus.

Mögliche Vorteile:
Anforderungen von Mellifera e.V. an die Behausung:
→ einfache und billige Ausrüstung
→ überschaubarer Arbeitsaufwand
→ wesensgemäß (Das bedeutet, den Bienen zu ermöglichen, ihr Leben weitgehend selbst und ihren Veranlagungen entsprechend zu gestalten.)
→ Überwinterung auf eigenem Honig (keine Zuckerfütterung)
→ Blick auf das Bienenvolk als Ganzes, als Organismus (“der Bien”)

Mögliche Nachteile:
→ Zugang zum Volk nur durch Aufstellen der Kiste
→ aufgrund von Stabilbau keinen Einblick ins Brutnest
→ Möglichkeiten bei Varroa-Kontrolle, Honigernte und Schwarmbehandlung eingegrenzt

Wie wird der Honig geerntet?
Honig wird in einem extra dafür vorgesehenen Honigraum eingelagert. Die Oberträger sind herausnehmbar, was die Honigernte enorm erleichtert. Geerntet werden kann eine Menge von bis zu 25 kg pro Jahr und Volk. Es wird nur ein Mal pro Jahr geerntet. Schleudern des Honigs ist nicht möglich, er wird gepresst.

Ist die Bienenkiste naturnah?
Persönlich finde ich, dass man die Bienenkiste durchaus als relativ naturnah bezeichnen kann. Die Eingriffe werden gering gehalten und das Nest wird von den Bienen im Naturwabenbau angelegt. Die Vermehrung erfolgt ausschließlich durch Schwärmen, was der natürlichen Vermehrung von Bienen entspricht.

Informationen & Netzwerk
Ein tolles Bienenkisten-Netzwerk ist entstanden. Auf der Homepage von Mellifera e.V. kannst Du im ➥Bienenkisten-Blog einen Blick in den Veranstaltungskalender werfen und viele interessante Artikel lesen. Eigens für die Bienenkiste gibt es eine gute Homepage. Das Angebot ist breit gefächert: Kurse, regionale Stammtische und ein eigenes Bienenkiste-Buch: ➥“Die Bienenkiste – Selbst Honigbienen halten – einfach und natürlich”. Mittlerweile ist sogar schon ein zweites Bienenkisten-Buch erschienen: ➥“Wesensgemäße Bienenhaltung in der Bienenkiste”.

2. Einraumbeute – eine nennenswerte Alternative
Entwickelt von:

Mellifera e.V.
→ Trogbeute, bei der die Rähmchen auf einer Ebene aneinandergereiht liegen

Ziele der Behausung:
→ keine Abtrennung des Brutnests
→ kein schweres Heben
→ sowohl extensive als auch intensive Imkerei möglich
Für wen?
Alle, die nicht schwer heben können/wollen und einen guten Zugang zum Brutnest haben wollen.
Mögliche Vorteile:
→ Durch große Rähmchen (Dadant im Hochformat) wird das Brutnest nicht horizontal geteilt.
→ Naturwabenbau möglich, Mittelwände möglich
→ kein schweres Heben
Mögliche Nachteile:
→ der große Raum wird vom Volk nicht das ganze Jahr über benötigt
→ große Rähmchen sind im Handling sperrig, wenn man nicht aufpasst, kann der Naturwabenbbau leicht brechen/knicken
Wie wird der Honig geerntet?
Honig kann meist ein Mal pro Jahr geerntet werden. Er kann mit einer Dadant-Schleuder ausgeschleudert werden oder auch gepresst werden.
Ist sie naturnah?
Je nachdem, was der Imker umsetzt. Die Idee ist eine einfache, naturnahe Behausung, welche von der Wabengröße sehr naturnah ist. Durch die Rähmchen hat der Imker zu allen Bereichen des Bienenstocks Zugang. Inzwischen gibt es für die Einraumbeute relativ viel Zubehör (Absperrgitter, aufgesetzter Honigraum, etc.). Es bleibt also dem Imker überlassen, wie naturnah er die Einraumbeute nutzt.
Informationen & Netzwerk
Leider nur sehr spärliche Informationen im Internet auffindbar. Am bekanntesten ist der ➥Einraumbeute-Blog von Mellifera e.V., allerdings sind die Beiträge nicht mehr aktuell. Ein Netzwerk wie für die Bienenkiste und ein Buch gibt es leider (noch) nicht. Ein Buch, welches für Großraumbeuten-Imkerei im Allgemeinen empfohlen wird, ist ➥“Natürlich Imkern in Großraumbeuten” von Melanie von Orlow.

3. Bienenbox – die kleine Schwester der Einraumbeute
Entwickelt von:
→ Johannes Weber: ➥stadtbienen.org, ➥www.bienenbox.de
→ Trogbeute

Ziele der Behausung:
→ Bienen naturnah in der Stadt halten, z.B. auf Balkon oder Terasse
Für wen?
Für alle, die Freude an Bienen haben, Honig für den Eigenbedarf ernten möchten und in der Stadt wohnen.
Besonders wird die Bienenbox Neu- und Freizeitimkern empfohlen.
Mögliche Vorteile:
→ gut zugänglich, da mit Rähmchen (Format: Kunzsch hoch) ausgestattet
→ Rähmchengröße angenehm
→ schweres Heben entfällt
Mögliche Nachteile
→ viele kleine Rähmchen ⇒ Durchsicht braucht lange
→ eignet sich eigentlich nur für Balkonimker (Bienenbox ist kleiner als Bienenkiste und Einraumbeute) ⇒ viele Imker finden sie zu klein für eine Beute
→ Bienenbox ist platzsparend, trotzdem braucht man einiges an Platz um die Ausrüstung zu lagern
→ erhöhte Überhitzungsgefahr, falls direktem Sonnenschein ausgesetzt
Wie wird der Honig geerntet?
Einmal im Jahr kann ein Ganzjahres-Mischhonig geerntet werden (bis zu ca. 15 kg). Er kann geschleudert oder gepresst werden.
Ist sie naturnah?
Diese Behausung wird im Internet kontrovers diskutiert. Es werden mehrere Kompromisse eingegangen, damit die Beute Balkon-tauglich ist. Dadurch wird sie zwangsweise weniger naturnah.
Informationen & Netzwerk
Sehr gute Informationen und ein tolles Netzwerk. Eine eigens dafür eingerichtete, anfängerfreundliche Homepage. Tolle Videos und spezielle Kurse runden die Informationen zur Bienenbox ab. Sogar ein Buch wurde speziell für die Bienenbox geschrieben ➥“Bienen halten mit der Bienenbox: Ökologisch Imkern auf kleinstem Raum” von Johannes Weber. Persönlich bin ich mir nicht so sicher, ob und was für eine Geschäftsidee dahinter steckt.

4. Top Bar Hive – die einfache Beute
Entwicklung:
Gibt es schon etliche Jahre, aber wurde z.B. für die Entwicklungshilfe in Afrika weiterentwickelt.

Ziele der Behausung:
→ naturnahe und einfache Bienenhaltung
→ platz-, zeit- und kostensparend
Für wen?
Für alle, die Bienen halten möchten und das auf einem sehr einfachen Weg. Beispielsweise ist der Top Bar Hive eine der beliebtesten Bienenbehausungen in Afrika.
Mögliche Vorteile:
→ lässt sich relativ leicht selber bauen
→ hat Oberträger (als Kompromiss aus Rähmchen und Stabilbau)
→ natürliche Wabenform (herzförmig nach unten)
→ es können fast alle Eingriffe und Methoden wie in anderen Beuten-Systemen auch vorgenommen werden (falls gewünscht)
Mögliche Nachteile:
→ Waben sind relativ unstabil, weil nur Oberträger vorhanden sind
→ manchmal bauen die Bienen die Waben am Rand fest, was eine Entnahme der Oberträger erschwert
Wie wird der Honig geerntet?
Die Honigwaben werden von den Oberträgern abgeschnitten und gepresst. So kann man relativ viel Honig und auch Wachs ernten.
Ist sie naturnah?
Aufgrund von Naturwabenbau und eines großen Raumes ohne andere aufgesetzte Räume kann man den Top Bar Hive als naturnah bezeichnen. Man benötigt nicht viel Ausstattung. Die nach unten abgeschrägte From entspricht der natürlichen Bauform „Herzwabe“.
Informationen & Netzwerk
Viele gute Infos im Internet, unter anderem auch ➥Bauanleitungen.
Es gibt ein gutes Buch: ➥”Imkern in Oberträgerbeuten: natürlich, einfach, anders” von Guido Frölich.
Im Internet finden sich auch viele kostenlose, aber hauptsächlich englischsprachige pdf-Dokumente, z.B. hier ein ➥Beispiel.
Hierzulande gibt es doch relativ viele Imker, welche einen Top Bar Hive in Betrieb haben. Deswegen einfach mal im lokalen Netzwerk nachfragen 🙂

5. Zeidlerei in der Klotzbeute – zurück zu den Wurzeln
Entwicklung:
Zeidlerei entspringt einer langen Tradition. Zeidler gab es schon im Mittelalter.

Die Klotzbeute

Ziele der Behausung:
→ mit Klotzbeuten und Zeidlerhöhlen in lebenden Bäumen naturgemäß Bienen halten
→ den Bienen wieder ihren natürlichen Lebensraum zurückgeben
Für wen?
Für Menschen mit Erfahrung mit Bienen, die ganz ursprünglich und natürlich Bienen halten wollen und nicht unbedingt Honig ernten wollen.
Mögliche Vorteile
→ kaum Eingriffe in Bienenvölker erwünscht
→ leistet einen wertvollen Beitrag zur natürlichen Wiederbesiedlung des Waldes mit Honigbienen
→ fördert natürliche Selektion der Honigbienenvölker (macht Bienen langfristig stark)
Mögliche Nachteile
→ viel praktisches Wissen und gute Beobachtungsgabe sind gefragt
→ man braucht einen Baumbestand, wo Zeidlerei möglich ist
→ hohe Völkerverluste möglich
→ eventuell Kletterausrüstung nötig (Höhenangst von Nachteil)
→ keine Honigernte
Wie wird der Honig geerntet?
Honig zu ernten ist nicht das primäre Ziel der Zeidlerei und die Wahrscheinlichkeit für einen Überschuss ist zudem sehr gering. Trotzdem ist es bei einem Überschuss möglich Honig zu ernten (September). Dabei wird brutfreies Wabenwerk von unten her zurückgeschnitten. Wenn darin Honig ist, kann er verwendet werden. Wichtig ist aber, dass die obersten 30 cm (Brutnest und Honigvorrat für die Bienen) nicht beschnitten werden!
Ist sie naturnah?
Die Zeidlerei ist die Art der Bienenhaltung, welche die natürlichen Gegebenheiten für ein “wildes” Bienenvolk am Besten wiedergibt. Natürlicher geht es nicht! Der Imker ist nur zur überlebenswichtigen Betreuung der Bienenvölker da und verzichtet oftmals auch auf diese, da er so die natürliche Selektion fördert.
Informationen & Netzwerk
Sehr gut ausgebautes Netzwerk und gute Informationen im Internet. Spezielle Kurse zur Zeidlerei werden angeboten. Ein Praxisbuch zur Zeidlerei habe ich bis jetzt noch nicht gefunden, aber ➥“Das Zeidelwesen und seine Ordnung im Mittelalter und der neueren Zeit” von Max Wagner gibt einen schönen Überblick über die Zeidlerei. Ansonsten empfehle ich einen Besuch auf ➥FreeTheBees.ch und ➥tree-beekeeping.org.

6. Bienenkugel – HOBOSphere
Entwickelt von: Andreas Heidinger

Ziele der Behausung:
→ ähnliche Gegebenheiten wie in einem ausgehöhlten Baumstamm schaffen (z.B. dicke Wände, Innenauskleidung)
→ Elemente integrieren, die in anderen Beuten vernachlässigt werden
→ geeignetes Mikroklima sicherstellen: Bienenkugel wird in einem extra Mini-Bienenhaus aufgestellt, dadurch geringeres Risiko der Taupunktüberschreitung
→ Totholzelemente integrieren ⇒ verringert Schimmelbildung
→ Bienen müssen weniger heizen und verbrauchen dadurch weniger Futter
Für wen?
Für alle, die es ausprobieren möchte 🙂
Mögliche Vorteile:
→ es wird kein Wachs-/Abdecktuch verwendet ⇒ dadurch kann die Luft besser zirkulieren
→ es gibt ein spezielles Behältnis als Nistmöglichkeit für Kleinstlebewesen, die natürlicherweise in Symbiose mit Bienen leben
→ besonderes Augenmerk wird auf eine Taupunktunterschreitung (z.B. in der Nacht) gelegt, d.h. es gibt so gut wie kein Kondenswasser (was bei vielen anderen Behausugen ein gängiges Problem ist)
→ alle gängigen Völkereingriffe möglich
→ großes Wärmevolumen in der Kugel ⇒ dadurch großes Brutnest
Mögliche Nachteile:
→ der verfügbare Raum ist relativ klein
→ “kugelrund” ist nicht die natürliche Bauform von Bienenwaben
→ wenig bekannt und viele Besonderheiten zu beachten
→ schwer selber zu bauen
Wie wird der Honig geerntet?
Der Kugel wird eine beliebige Honigraumzarge aufgesetzt. Je nach Wunsch kann der Honig geschleudert oder gepresst werden. Auch das Imkern mit Absperrgitter ist möglich.
Ist sie naturnah?
Die Bienenkugel ist bei vielen Imkern sehr umstritten. Auch im Internet wird sie v.a. wegen der kugelrunden Form kontrovers diskutiert. Meine persönliche Entscheidung ist nicht auf die Bienenkugel gefallen, da ich finde, dass es praktischere und erprobtere naturnahe Systeme gibt und es außerdem relativ schwierig ist sie selber zu bauen. Aber Herr Heidinger, der Entwicklung der Bienenkugel hat sich viel dabei gedacht und auch ganz neue Dinge integriert, die sonst keine Behausung in der Art vorweisen kann. Mit der Bienenkugel ist naturnahe Bienenhaltung bestimmt auch sehr gut möglich.
Informationen & Netzwerk
Es gibt relativ viele Informationen im Internet. Bis jetzt hat sich die Kugel allerdings noch nicht in der breiten Masse durchgesetzt und es gibt viele kritische Stimmen. Dieses ➥pdf-Dokument liefert einen Einstieg in die Bienenkugel. Weiterhin gibt die ➥Homepage der Bienenkugel Auskunft.
Zudem findet jeder, der sich vorstellen kann mit der Bienenkugel zu Imkern, Anregungen im Buch ➥“Abenteuer Bienenkugel – eine Anleitung für das “runde” Imkern” von Undine Westphal.

7. Warre – einfach und ertragreich imkern
Entwickelt von:
→ Pfarrer Emil Warre (geb.1867): “Einfachheit ist das Resultat von Reife.”

Ziele der Behausung:
→ einfach und ertragreich Imkern
→ Stabilbau mit Oberträgern
→ zeitsparend, strebt Wirtschaftlichkeit an (inkl. Honigernte)
→ Durch das Unterstellen von zwei Zargen im Frühling und das Ernten der oberen Zarge (voll mit Honig) im Spätsommer wird der Bienenstock optimalerweise nur ein Mal im Jahr geöffnet. Das Volk überwintert auf zwei Zargen.
Für wen?
Besonders beliebt unter Demeter-Imkern. Aber auch sonst für alle, die Bienen einfach und naturnah halten möchten und eine Honigernte haben wollen.
Aufbau der Warre-Behausung:
1. Bodenbrett
2. Drei gleichartige Zargen
3. Dach (unter welchem ein Kissen zur Isolierung liegt)
Mögliche Vorteile:
→ Bienen-nahes Imkern
→ keine Rähmchen notwendig
→ relativ geringer Zeitaufwand
→ nur Naturwabenbau
Mögliche Nachteile:
→ durch Stabilbau keine leichte Völkerdurchsicht möglich
→ es muss schwer gehoben werden aufgrund der Zargen
→ die Einfachheit der Beute wird, gerade für Anfänger, in Frage gestellt
Wie wird der Honig geerntet?
5-45 kg kann pro Volk und Jahr geerntet werden, als Tropf-, Press-, Schleuder- oder Wabenhonig.
Ist sie naturnah?
Ja, für eine künstlich vom Menschen geschaffene Behausung auf jeden Fall.
Informationen & Netzwerk
Auf der Homepage warre-bienenhaltung.de ist das Buch ➥“Bienenhaltung für Alle” von Emil Warre kostenlos als pdf-Dokument erhältlich. Zusätzlich gibt es auch ein ➥Warre-Forum, in dem es viele Hinweise auf die Warre-Betriebsweise gibt.

8. Weißenseifener Hängekorb – Tradition trifft Moderne
Entwickelt von:
→ Günther Macke (Antroposoph und Bildhauer)

Ziele der Behausung:
→ ein Hängekorb, der im Mobilbau bewirtschaftet wird
→ Tradition mit neuem Wissen kombinieren
→ ausschließlich Naturwabenbau
→ Durch seine Formgebung soll er eine bienenstärkende, urbildliche Behausung für das Bienenvolk sein.

Aufbau der Behausung:
“Ein kuppelförmiger, abnehmbarer Deckel liegt auf einem stabilen Ring aus schichtverleimtem Holz, der die tragende Einheit des Korbes bildet. In ihm sind innen Halbrähmchen für den Mobilbau eingesetzt, außen Bohrungen für die Aufhängung des Korbes angebracht. Unterhalb des Ringes schließt sich die Form durch ein ebenfalls abnehmbares Korbunterteil zu einem Ei, das durch Holzriegel an dafür vorgesehenen Widerlagern befestigt ist. In einer Einflugöffnung an der unteren Spitze des Eies bildet der ins innere führende Anflugtrichter eine „Rundumlande- und abflugfläche“ für die Sammelbienen.
Eine verschließbare Öffnung an der Deckeloberseite ermöglicht den Aufsatz eines Futtereimers oder sonstiger Erweiterungen, wie z.B. eines kleinen Honigraumes. Durch ein Abnehmen sowohl der Deckelkuppel als auch des unteren Korbteiles kann der gesamte Bienenbau freigelegt und betrachtet werden. Die Halbrähmchen (Wabenbögen) ermöglichen das Ziehen von Einzelwaben.”
Quelle: ➥mellifera-berlin.de

Weißenseifener Hängekorb mit Honigraum

Für wen? Für alle, denen auch Schönheit wichtig ist 😉
Für alle, die Gefallen am Hängekorb gefunden haben! Handwerkliches Geschick oder der Besuch eines Kurses zur Herstellung eines Weißenseifener Hängekorbes sind von Vorteil, da man diese Körbe selten kaufen kann.
Die Fertigung eines Korbes braucht für Anfänger unter erfahrener Anleitung ca. 3-6 Tage, je nachdem ob z.B. die Oberträger schon vorbereitet, das Stroh geschnitten und der Anflugtrichter schon geflochten ist. Du kannst im Blogartikel „Der Weißenseifener Hängekorb“ mehr über diesen wunderbaren Korb erfahren.
Mögliche Vorteile:
→ runde Oberträger ermöglichen einen relativ guten Zugang zum Volk
→ ganz natürliche, große Herzwaben können gebaut werden
→ Der Weißenseifener Hängekorb ist voll von Formensprache und der Erfinder dieses Korbes hat sich sehr viel bei dieser Form gedacht.
Mögliche Nachteile:
→ Dadurch, dass das Wabenwerk vor allem in der Mitte sehr groß wird, ist es in der Handhabung schwieriger und kann leichter abbrechen.
Wie wird der Honig geerntet?
Auf den Korb kann, wenn gewünscht, eine kleine Honigkiste aufgesetzt werden, welche die Bienen dann mit Honig füllen. In der Kiste können normale Rähmchen mit oder ohne Mittelwände eingehängt werden.
Ist sie naturnah?
Ja, sehr! Besonders die Form ist sehr durchdacht.
Informationen & Netzwerk
Es gibt ein tolles Buch zu diesem Korb „Der Weißenseifener Hängekorb – Eine Alternative“ von Günther Mancke. Zu beziehen bei ➥“Verlag Kind & Kunst”. Alternativ schicke ich euch gerne das pdf-Dokument kostenlos zu. Weiterhin gibt es verstreut Informationen, aber meines Wissens ist bisher noch kein Netzwerk entstanden.

9. Perone Hive – für eine Permanente Bienenkultur (PermApikultur)
Entwickelt von:
→ Oscar Perone: „Bees need: (1) Lots of Space, (2) Lots of Honey, and (3) Lots of Peace.“

Ziele der Behausung:
→ Bienen zur eigenen Stärke verhelfen durch Verzicht auf Völkereingriffe
→ benutzt Oberträger, die sich aber nur ganz oben befinden (Alle Beute die Oberträger nutzen sind horizontal aufgebaut, der Perone Hive dagegen vertikal, wie eine Magazinbeute.)
→ Im oberen Drittel ist der Bereich für den Imker, deswegen ausgestattet mit Oberträgern. Die unteren zwei Drittel gehören den Bienen.

Für wen?
Für alle, die natürlich Imkern wollen und sich nicht entmutigen lassen, wenn anfangs natürliche Selektion durch Völkersterben eintritt.
Haltung am besten in einem nicht zu dicht mit Bienen besiedelten Gebiet, da sonst die Einschleppungsgefahr der Varroa-Milbe besonders hoch ist.
Persönlich würde ich das Perone-System nicht unbedingt für Anfänger empfehlen.
Mögliche Vorteile:
→ durch die Größe der Beute entwickeln sich Völker in der Regel schnell und werden relativ groß
→ Oscar Perone meint, dass es den Bienen in dieser Behausung oft besser gehe als in allen anderen auf Ertrag optimierten Systeme. Kolonien seien viel stärker und gesünder. Er möchte den Bienen die Möglichkeit geben aus eigener Kraft mit der Varroa-Milbe leben zu können.
Mögliche Nachteile:
→ Da der untere Teil nie vom Imker durchgesehen wird, können unvorhergesehene Probleme auftreten.
→ Bienen sind sich selbst überlassen
→ Die Behausung macht es unmöglich, dass der Imker die Bienen kontrollieren kann! Dafür wird der Perone Hive oft auch kritisiert.
→ Krankheiten brechen leichter aus, Varroa-Kontrolle kaum möglich.
Wie wird der Honig geerntet?
Von den oberen zwei Drittel (“Teil des Imkers”) werden die Oberträger herausgenommen und es kann ein Mal jährlich Honig geerntet werden.
Ist das System naturnah?
Ja, sehr. Bis auf die “künstlich” vom Menschen hergestellte Kiste, von der man ein Mal im Jahr Honig erntet, werden die Bienen in Ruhe gelassen. Es ist vielleicht ein wenig vergleichbar mit Zeidlerei, nur dass die Bienen mehr Platz zur Verfügung haben und die Behausung nicht im Baum ist.
Trotzdem sollte man aufpassen nicht unverantwortlich damit umzugehen, denn heute wird es kontrovers diskutiert, wie viel Hilfe Bienenvölker brauchen. Und sie einfach verhungern zu lassen finde ich persönlich etwas unverantwortlich.
Informationen & Netzwerk
Der Perone Hive wird als Bienenbehausung in der Permakultur-Szene angepriesen (➥PermApiculture). In dieser Bewegung ist er sehr bekannt und es gibt einige Informationen und auch ➥Bauanleitungen im Netz, vor allem auf Englisch.

Abschließendes
Für alle die sich generell für naturnahe Bienenhaltung interessieren, aber noch nicht wissen auf welches Haltungssystem sie sich festlegen wollen, kann ich folgendes Buch empfehlen: ➥ “Bienenkiste Korb und Einfachbeuten – naturnah und erfolgreich imkern ” von Friedrich Pohl.

Ich denke gerade als Anfänger ist es wichtig, dass man sich zuerst gut über die verschiedenen Bienenbehausungen informiert. Doch dann sollte man sich nicht zu sehr verkopfen, sondern einfach, mit einer Behausung die einem sympathisch ist, starten. Denn es gibt für jede Behausung Für und Wider und selbst erfahrene Imker und Wissenschaftler haben bis jetzt noch nicht “DIE NATURNAHE BIENENBEHAUSUNG” entwickeln können. Letztlich kann man mit allen Systemen relativ naturnah Bienen halten 🙂

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