Blühende Landschaft gestalten – Mach mit!

Warum Blühende Landschaft? Oder: Reicht der ganze Löwenzahn nicht?

Löwenzahn weit und breit
Löwenzahn weit und breit

In den Ländern mit industrieller Landwirtschaft dominiert eine relativ monotone und artenarme Kulturlandschaft. Dies ist als Begleiterscheinung der „Modernisierung“ der Landwirtschaft allgemein bekannt. Deswegen gehe ich an diesem Punkt nicht weiter ins Detail. Vielmehr möchte ich aufzeigen, wie ihr selbst in eurem Umfeld eine artenreiche, vielfältige und schöne Blühende Landschaft gestalten könnt.

Die meisten der einheimischen Wildpflanzen bieten einen großen Nährwert für die hier heimischen Insekten. Klar, denn sie haben sich über Jahrtausende gleichzeitig hier entwickelt und haben sich aneinander angepasst. Das gilt sowohl für Generalisten, die sich von vielen verschiedenen Pflanzen ernähren, als auch für Spezialisten. Sie sind für ihr Überleben auf eine ganz bestimmte Pflanzenart oder einen ganz bestimmten Lebensraum angewiesen.

Wiesen und Weiden

Viele einheimische Pflanzen, die die Grundlage für das Überleben der Insekten darstellen, werden immer seltener. Vor allem betrifft das die klassischen Wiesenblumen. Denn diese benötigen einen mageren Boden. Das heißt einen Boden mit (sehr) wenigen Nährstoffen und wenig organischem Material. Heute gibt es fast nur noch „fette“ Wiesen, das heißt der Boden ist reich an Nährstoffen für die Pflanzen. Durch das Düngen mit Mist, Gülle oder Jauche werden dem Boden viele Nähstoffe zugefügt. Auch wenn abgemähter Rasenschnitt liegenbleibt, bleiben die Nährstoffe vor Ort und es kann kein magerer Standort entstehen.

Wiesen werden für viele Pflanzen zu oft gemäht
Wiesen werden für viele Pflanzen zu oft gemäht

Hinzu kommt, dass mancherorts bis zu fünf Mal im Jahr gemäht wird. Nur wenige Pflanzen halten dies aus. Vielen Blütenpflanzen reicht die Zeit zwischen dem Mähen nicht, um reife Samen zu bilden. Oder sie können in ihrem Wurzelsystem nicht genug Energie speichern, um nach so vielen Schnitten immer wieder neu auszutreiben.

Um eine artenreiche Wiese zu erreichen oder zu gestalten sind also folglich zwei Punkte essentiell:

1. Standort abmagern: z.B. den nährstoffreichen Oberboden abtragen (die schnelle Variante), Oberboden mit Sand vermischen (mittelschnelle Variante) oder nur das Düngen unterlassen (die sehr langsame Variante).

2. Mähhäufigkeit: Nur ein bis zwei mal im Jahr mähen und das Schnittgut nicht auf der Fläche lassen.

Generell gibt es verschiedene Methoden und Wege, um die Entwicklung eines artenreichen Standortes zu fördern. Je nach Zielsetzung und örtlichen Gegebenheiten machen andere Dinge Sinn, um das Ziel Blühende Landschaft zu erreichen.

Garten und Rasen

Um deinen Garten naturnah zu gestalten, empfehle ich Dir das Buch ▶“Der Naturgarten” von Reinhard Witt.

Nehmen wir an, Du hast einen Rasen im Garten. Dann hast Du verschiedene Möglichkeiten, um den Rasen in eine magere, artenreiche Blumenwiese umzuwandeln:

1. Düngen stoppen

Rasen mähen und Schnittgut entfernen!
Rasen mähen und Schnittgut entfernen!

Wenn Du es nicht eilig hast, dann kannst Du einfach aufhören die Wiese zu düngen. Außerdem den Rasenschnitt nicht liegen lassen. Den Rasenschnitt kannst Du auf Deinen Kompost geben (vorher trocknen lassen) oder zur Grünschnitt-Deponie bringen.

Außerdem solltest Du nur noch zwei bis drei Mal im Jahr mähen. Dann siehst Du, ob es schon Blumen gibt und kannst einfach um sie herum mähen, damit sie Samen bilden und sich verbreiten können.

Mit der Zeit wirst Du sehen, dass immer mehr blühende Pflanzen zum Vorschein kommen. Doch hier ist Geduld gefragt, bis zu 10 Jahre und mehr! Eine blühende Landschaft entsteht leider nicht von heute auf morgen.

Natürlich gibt es noch die Möglichkeit gezielt Pflanzen anzusiedeln, die bis dahin noch nicht vorhanden sind und für den Standort geeignet sind. Dies nennt man Initialpflanzung.

2. Oberboden austauschen

Oberboden mit dem Spaten abtragen (Quelle: www.grashalm-und-spaten.de)
Oberboden mit dem Spaten abtragen (Quelle: www.grashalm-und-spaten.de)

Wenn Du Dir nicht so viel Zeit nehmen möchtest, um eine Magerwiese entstehen zu lassen, kannst Du auch nachhelfen.
Als erster Schritt wird der Oberboden abgetragen. Dieser ist je nach Standort unterschiedlich tief, oft zwischen fünf und 30 cm. Ziel ist es, die nährstoffreiche Schicht zu entfernen. Stattdessen wird eine magere Schotter- oder Sandschicht mit sehr geringem Humusanteil aufgetragen.

Diesen mageren Boden kannst Du nun bepflanzen. Dafür lässt Du Dich am Besten von Experten beraten. Je nachdem welche Ausgangssituation ihr habt (Sand, Schotter, schattig, sonnig), fühlen sich unterschiedliche Pflanzen wohl. Ich werde auch bald einen Blog-Artikel schreiben, in dem ich für die verschiedenen Bereiche im Garten geeignete Pflanzen vorstelle.

3. Schnittgut übertragen

Wenn Du jemanden in der Umgebung kennst, der eine artenreiche Wiese hat, dann frage, ob Du nach dem nächsten Mähen das Schnittgut bekommst. Du kannst es einfach auf Deine bereits abgemagerte Wiese legen. Mit der Zeit werden die restlichen Samen im Schnittgut reif und fallen heraus. Die Pflanzen, die sich wohlfühlen, werden sich automatisch etablieren. Auf ganz natürliche Art und Weise entsteht so eine artenreiche, an die Umgebung angepasste Wiese.

Verschiedene Dimensionen

Egal wo, überall lässt sich etwas für die Vielfalt der Insekten und Blühpflanzen machen! Jede Person kann im eigenen Umfeld nach passenden Möglichkeiten Ausschau halten, um eine kleine oder große blühende Landschaft zu erschaffen. Egal, ob ein Randstreifen, der eigene Garten oder Balkon oder eine Brachfläche. Überall gibt es Flächen, welche sich über mehr Vielfalt und Wiederbelebung freuen!

Beispiel Balkon

Blühende Landschaft auf einem Balkon
Blühende Landschaft auf einem Balkon!

Herr David hat auf seinem Balkon ein artenreiches, blühendes Insektenparadies geschaffen. Und das auf nur 2,5 Quadratmetern! Eigentlich unvorstellbar! Mit heimischen Wildpflanzen lockt er jede Menge Insekten an, denn sie finden reichlich Nahrung bei ihm. Außerdem stellt er ihnen auch geeignete Unterschlüpfe und Nistmöglichkeiten bereit. Somit hilft er ihnen auch noch beim Überleben und Vermehren.
Zur Inspiration könnt ihr gerne Herrn Davids ▶Naturbalkon-Blog besuchen oder eines seiner ▶Videos anschauen.

 

Natürlich wird nicht jeder seinen Balkon so intensiv umgestalten wie Herr David. Aber es soll zeigen, was sogar auf kleinster Fläche möglich ist.
Du kannst Beispielweise auch ganz hervorragend auf kleinem Raum Insektenhotels integrieren (Blogartikel “Insektenhotels richtig bauen” folgt). Für ausführlichere Informationen empfehle ich das Buch: ▶Fertig zum Einzug – Nisthilfen für Wildbienen” von Werner David oder ▶Das Insektenhotel” von Wolf Richard Günzel.

Generell kann man auf einem Balkon ganz leicht Pflanzen ohne Mehrwert für die Insektenwelt entsorgen und dafür Insekten-freundliche Pflanzen einsetzen:

Beispiel Wollbienen-Blumenkasten

Verwende einen gängigen Blumenkasten und bedecke die Abflusslöcher, z.B. mit Tonscherben oder Steinen. Anschließend fülle den Kasten bis 10 cm unter den Rand mit Drainage-Material (z.B. Bauschutt, Blähton) auf.

Stelle nun folgende Pflanzen, zunächst noch in ihrem Topf, an den gewünschten Platz im Blumenkasten: eine Kleinblütige Königskerze (Verbascum thapus), eine Dornige Hauhechel (Ononis spiosa), einen Heilziest (Stachys officinalis) und eine Schwarznessel (Ballota nigra). Je nach Größe des Kastens passen mehr oder weniger Pflanzen hinein. Da die Königskerze sehr groß werden kann, braucht sie mehr Abstand zu den Nachbar-Pflanzen!

Wollbiene

Hast Du die passenden Abstände gefunden, kannst Du die Pflanzen ohne Töpfe in den Kasten setzen. Nun wird der Kasten bis zur Endhöhe mit Kakteenerde aufgefüllt. Am Ende wird noch 1-2 cm Split darüber gestreut und alles gut angegossen. Diese Pflanzenkombination ist besonders attraktiv für die Wollbiene. Denn die ausgewählten Blumen blühen genau zur optimalen Zeit und bieten gleichzeitig auch Nistmaterial.

Kakteenerde kannst Du auch selber machen:

  • 1 Teil grober Sand
  • 1 Teil klein gebrochener Kies oder Fugensplit (max. 5 mm dicke Steinchen)
  • 1 Teil (gekaufte) Gartenerde
  • → in einer großen Schubkarre oder Wanne vermischen und fertig ist das Substrat!

Anfangstipp für den Garten

Im Garten sind keine Grenzen gesetzt und es gibt überall die Möglichkeit, wenigstens einen Teil des Gartens Insekten-freundlich zu gestalten. Wenn Du nicht so recht weißt, wie Du anfangen sollst, hier ein kurzer und einfacher Tipp: Mache weniger! Und beobachte die Natur!

Wer sich noch näher mit der Umgestaltung des Gartens beschäftigen möchte, dem empfehle ich das Buch ▶Drei-Zonen-Garten – Vielfalt-Nutzen-Schönheit“ von Markus Gastl. Er hat mit viel Liebe und Wissen seinen eigenen Garten, den Hortus Insectorum, Insekten-freundlich gestaltet und nebenbei ein ganzes Netzwerk für Insektengärten ins Leben gerufen. Viele Informationen finden sich auch auf seiner Internetseite ▶www.hortus-insectorum.de.

Er gestaltet wunderschöne Steingärten und wirklich jeder kann seine Gestaltungsprinzipien bei sich zu Hause anwenden. Im geplanten Blogartikel „Der drei-Zonen-Garten“ kannst Du bald mehr über die Gestaltung eines Gartens nach Markus Gastl lesen.

Zusammenfassende Tipps für eine Blühende Landschaft

blühende Landschaft in der Eifel
blühende Landschaft in der Eifel
  • weniger oft mähen
  • Schnittgut nicht auf der Fläche lassen
  • nicht düngen, weder natürlich (Kompost, Mist,…) noch synthetisch (industriell hergestellter Dünger)
  • keine Pestizide verwenden
  • auf einheimische Pflanzen und Vielfalt achten
  • wenn möglich: Schnittgut von einer artenreichen Fläche übertragen
  • Wenn Du eine Möglichkeit (im Garten, am Arbeitsplatz, auf dem Dach) hast: Nützlingshotels errichten. Das Buch ▶Ideenbuch Nützlingshotels von Markus Gastl hilft Dir bei der Ideenfindung.

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