Bienensterben – Worum geht es wirklich?

blüten lilaDie Honigbiene ist neben dem Marienkäfer eines der beliebtesten und sympathischsten Insekten überhaupt. Nur wenige Menschen mögen weder Bienen noch Honig. Deswegen macht es viele Menschen traurig, wenn sie vom Bienensterben hören. Sie sind überrascht zu erfahren, dass es diesem kleinen Insekt nicht so gut geht. Darum sind auch viele Menschen gewillt einen Beitrag zu leisten, um Honigbienen und andere Insekten zu unterstützen. Und wenn etwas Gutes für die Honigbiene getan wird, wird automatisch auch etwas Gutes für andere Insekten und die Pflanzenvielfalt getan.

Mittlerweile ist die Honigbiene zum Symbol des weltweiten Insektensterbens geworden. Das Beispiel „Honigbiene“ verstehen Menschen leicht. Sie können über das Lebensmittel „Honig“ eine Verbindung aufbauen. Eine häufig geäußerte Befürchtung ist folgende: „Ohne die Honigbienen gibt es eine Lebensmittelknappheit, weil sie viele unserer Nahrungspflanzen bestäuben“. Auch ein Satz, der fälschlicherweise Albert Einstein zugeschrieben wird, wird oft zitiert: „Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben.“

Begriffsklärung

Das Schlagwort „Bienensterben“ wird in öffentlichen Debatten und Medien verwendet, um auszudrücken, dass es – vielleicht nicht überall, aber doch in vielen Teilen der Welt und als Gesamttrend – einen starken Rückgang der Anzahl bzw. Dichte von Völkern der Westlichen Honigbiene (Apis mellifera) gibt. Für diesen Rückgang ist der Mensch durch globalisierte, industriell-technische Formen der Landnutzung (Monokulturen, Pestizide, Transport, etc.) verantwortlich. Wegen der ausbleibender Bestäubung durch Bienen wird der Rückgang fatale Folgen für die Lebensmittelproduktion haben wird. (https://de.wikipedia.org/wiki/Bienensterben)

Von einst über 600 heimischen Wildbienenarten sind bereits mehr als 10% ausgestorben und 45% gefährdet. Die Honigbiene ist eine dieser Wildbienenarten. Sie ist in der freien Natur fast gänzlich ausgestorben, wird in der Imkerei aber in nie zuvor dagewesener Anzahl und Dichte gehalten. Die heimische Ursprungsrasse wurde verdrängt und durch Importrassen ersetzt. (https://freethebees.ch/unsere-bienen-sterben-neu/)

Wie sehen die Zahlen zum Bienensterben wirklich aus?

Fakt ist, dass in Deutschland kein Rückgang in der Anzahl der von Imkern betreuten Honigbienenvölker zu verzeichnen ist. Die Zahl der Imker und der Bienenvölker steigt sogar stetig an. Nur in den 90er Jahren hat es einen Rückgang der Honigbienenvölker gegeben. Dies wird jedoch eher dem politischen Umbruch zugeschrieben.

Nichtsdestotrotz haben es die Honigbienen zunehmend schwer. Die blütenarme Landschaft schränkt das Nahrungsangebot ein. Auf einzelne Spitzen (z.B. Lindenblüte, Löwenzahnblüte) folgen Phasen mit sehr wenigen Nektar- und Pollenquellen. Eine gleichmäßigere Futterverteilung im Jahresverlauf würde auch die Bienenvölker stabilisieren. Doch stattdessen gibt es einfältige Monokulturen, welche nur kurz (Raps) oder gar keine (Mais, Getreide) Nahrung bieten.
Des Weiteren macht der Einsatz von Pestiziden und Beizgiften für das Saatgut den Honigbienen, wie allen anderen Insekten auch, schwer zu schaffen.

Aus verschiedenen Gründen (Varroa-Milbe, Nahrungsmangel, kaum Nistmöglichkeiten) gibt es in Deutschland keine wild lebenden Honigbienenvölker mehr.

Zahlen und Fakten zur relativ hohen Bedeutung der Honigbiene

starke Biene gegen BienensterbenLaut verschiedener Quellen (z.B. 3sat) ist die Biene das drittwichtigste Nutztier in Deutschland, nach Rind und Schwein. Es ist ein Fakt, dass die Honigbiene einen großen Nutzen für uns Menschen und die Natur hat. Etwa ein Drittel unserer Kultur- und Nutzpflanzen profitieren von der Bestäubung durch Wild- und Honigbienen. Schätzungen zufolge leisten Honigbienen 80% dieser Bestäubung.

Weltweit werden etwa 80% aller Blütenpflanzen von Insekten bestäubt. Von diesen wiederum etwa 85% von Honigbienen. Bei Obstbäumen sind es sogar 90 % der Blüten, die von Honigbienen aufgesucht werden. Die Liste der Blütenpflanzen, die von Honigbienen bestäubt werden, umfasst 170.000 Arten. Die Anzahl der Blütenpflanzen-Spezies, die auf Honigbienen angewiesen sind und denen es ohne Honigbienen erkennbar schlechter ginge, wird auf etwa 40.000 Arten geschätzt. Dieses Blütenmeer wird in Europa und Afrika von nur einer einzigen Honigbienenart (Apis mellifera) bestäubt.

Honigbienen sind nicht die einzigen oder die effizientesten Bestäuber. Weitere Insekten tragen ebenfalls zur Bestäubung bei:

  • Fliegen, Schmetterlinge, Käfer
  • andere Verwandte der Honigbienen aus der Ordnung der Hautflügler, wie nicht-staatenbildende Bienen, Wespen, Hummeln und sogar Ameisen

Trotzdem ist die Honigbiene in der Summe die wichtigste Bestäuberin für die meisten Monokulturen für die menschliche Ernährung weltweit. Ein Hauptgrund liegt darin, dass die Honigbiene blütenstet ist. Das heißt, dass sie während eines Sammelfluges nur Blüten einer einzigen Pflanzenart anfliegt. Daher sind Honigbienen ideal für großflächige Bestäubungsarbeit, weil:

  • das ganze Jahr über eine große Anzahl von Arbeiterinnen und Sammelbienen verfügbar sind,
  • sie als Generalisten eine große Bandbreite blühender Pflanzen bestäuben,
  • sich ihre Populationen kurzfristig durch Zufüttern vergrößern lassen und
  • sie bei Bedarf über große Distanzen transportiert werden können (z.B. in den USA).

Zahlen und Fakten zur relativ niedrigen Bedeutung der Honigbiene

Nutzpflanzen, die nicht auf tierische Bestäubung angewiesen sind, repräsentieren einen großen Teil der menschlichen Kalorienaufnahme. Dies sind beispielsweise sämtliche Getreidearten wie Mais, Reis, Weizen, Hirse, Roggen, Gerste und Hafer.

Ein Verlust aller Bestäuber würde einen geschätzten Rückgang der globalen landwirtschaftlichen Produktion von 3-8 % bewirken. Daher wird der Mensch ohne die Honigbiene wohl kaum aussterben.

Die Honigbiene ist also ein Symbol für das dramatische Insektensterben weltweit. Denn dass ein drastischer Rückgang der Insekten weltweit erkennbar ist, das lässt sich nicht leugnen.

Zahlen und Fakten zur Honigbiene

Die Westliche Honigbiene (Apis mellifera) ist eine von etwa 500 Bienenarten in Deutschland, eine von 600 Bienenarten in der Schweiz und eine von 700 Bienenarten in Österreich. Und eine Insektenart von 300 000 in Deutschland und 90 Millionen Insektenarten weltweit. Weltweit betrachtet ist die Honigbiene eine von 20 000 Bienenarten.

Kurzes Gedankenspiel zur Unabhängigkeit der Biene

Die Honigbiene gibt es schon seit mehr als 100 Millionen Jahren. Sie hat alle noch so schwierigen und wechselhaften Zeiten vor dem Menschen überlebt. Den Mensch gibt es in Relation dazu erst seit einem Augenzwinkern (ca. 300 000 Jahre). Heute glauben viele, dass die domestizierte Honigbiene vollends vom Menschen abhängig ist. Zumindest in den meisten Industrienationen, wo Honigbienen nicht mehr wild vorkommen. Der Mensch „hilft“ ihr im Kampf gegen die Varroa-Milbe, liefert Zuckerwasser als “Futter”, führt regelmäßig Völkerkontrollen durch und züchtet „optimale“ Königinnen.

Doch was würde passieren, wenn der Mensch verschwinden würde?

Es würde zunächst zu einem drastischen Rückgang der Honigbienenvölker kommen. Die Natur würde sich im Laufe er Zeit von den schädlichen Eingriffen der Menschheit regenerieren. Es würde eine förderliche Umgebung für die Honigbiene entstehen, unter anderem mit neuen Nistplätzen und einem vielfältigen Nahrungsangebot. Auch die vom Menschen verursachten Belastungen würden wegfallen. Zwischen Honigbiene und Varroa-Milbe würde sich ein natürliches Wirt-Parasit-Gleichgewicht entwickeln, so wie es auch in Afrika passiert ist. Nach einem drastischen Rückgang der Bienenvölker würde die Population sich erneuert und angepasst wieder aufbauen. Die Honigbiene würde also mit Sicherheit ohne menschliche “Hilfe” zurechtkommen.

Quellen

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